Von Stroh zu Gold

Rumpelstilzchen beherrschte diese hohe Kunst.
Als wir vor kurzem zum Vorspinnen eingeladen waren, sagte Ulrike zu einem Kind:
Von Stroh zu Gold spinnen, das machen die Damen lieber nur zu Hause.

Da wusste ich noch nicht, dass in absehbarer Zeit ein Webstuhl bei mir einziehen würde.

Ein paar Tage später fiel mir ein, dass ich ja noch ein bischen Flachs in einer Tüte hatte. Diesen bekam ich vor einigen Jahren mal geschenkt.

Weben und Webmuster ausprobieren?

Sofort kam ich auf handgesponnenes Leinen.

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Also wurde mein Vorrat rausgesucht und das Netz befragt.
Wie dick?
Zwirnen?
Nachbehandlung des fertigen Fadens?

Die Antworten im Netz sind sehr sparsam.

Gefunden habe ich einen Artikel von Wiebke in der Zeitung der Hansspinngilde.
Sie bindet keinen Wocken und ermuntert in ihrem letzten Satz dazu eigene Wege zu gehen.

Angeregt durch ihre Bilder habe ich meinen Flachs portionsweise in ein Tuch geschlagen.

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Mit einem Glas Wasser zwischen den Knien begann ich den Flachs so dünn wie möglich auszuziehen.

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Wie bei einem Spinnanfänger riss mir der Faden in der ersten Stunde wohl 10x 😉
Doch auf einmal ging es und meine Tochter, die mir zusah, meinte:
Jetzt bist du im „flow“

Und so kam ich mir auch vor. Vollkommen entspannt entstand ein wunderschöner, düner Faden. In meinem Tuch waren nach einiger Zeit nur noch ein paar Reste.

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Abgehaspelt war es sehr störrisch.

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Also heiß eingeweicht und getrocknet. Wie ich es von Wolle kannte.
Das Ergebnis war schrecklich. Alles klebte aneinander.

Da habe ich es in einem Topf eine gute Stunde ausgekocht und nach dem trocknen ist es schön geschmeidig geworden.

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Einer von Wiebkes Ratschlägen war auch noch das Bleichen mit Fleckensalz. Das musste ich natürlich auch probieren. So erhielt ich wunderschönes weißes Leinengarn.

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Bei der Recherche,  wo man heute noch Flachs zum spinnen kaufen kann, ist man sehr schnell enttäuscht.
Erst da wurde mir bewusst,  was für einen Schatz ich in meinem Depot hatte.
Heutzutage ist das, was man im Märchen Stroh nannte wohl schon selbst Gold.
Doch zu was vespinnt man es dann.
Man sollte sich bewußt sein, das es Schätze sind.

Mein Leinengarn und alles was da mal draus wird, werde ich sicherlich immer gut behüten.

Einen schönen Pfingstmontag wünscht euch
Sabine aus Bad Driburg

…..die ganz voller Vorfreude steckt, denn morgen wird der Webstuhl aus Wahmbeck geholt 🙂

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10 Kommentare

Eingeordnet unter Flachs und Leinen, Spinnen

10 Antworten zu “Von Stroh zu Gold

  1. Heike

    Ein wunderschöner Artikel. Macht Lust auf mehr. Danke

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  2. Wunderbar geschrieben!!!

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  3. Claudia

    Starke Sache. Ich würde mich da nicht ran trauen. Dein Garn sieht fantastisch aus. Ich fieber schon mit dir mit wegen morgen. Habe viel Spaß. Liebe Grüße

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  4. GRÜß DICH. Hab gerade deinen Beitrag gelesen und hab eine Frage,möchtest du noch Flach haben? Ich habe noch ein paa Kohnen. Ist ein super dünner Faden. Ungebleicht. Per Kg habe ich an 11. Euro gedacht. Gruß CHRISTEL

    Date: Sun, 24 May 2015 07:00:34 +0000 To: christel333@live.de

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  5. Claudia

    Hallo liebe Sabine,
    ich mache mir gerade ein bisschen Sorgen um Dich. Da man schon so lange nichts mehr von Dir gelesen hat. Geht es Dir gut?
    LG
    Claudia

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  6. Liebe sabine, herrlich nun lese ich bei dir! das hast du prima gemacht und ebenso dein Webstück! bleib dabei. und du kannst flachs selbst anbauen, das einfache zum essen bei aldi hatte ich ausgesäht.. wurde guter flachs.. , konnte man verspinnen ,musst du natürlich noch bearbeiten, aber in museen findest du geräte.. alles übt sich und sonst fragen ich blogge nach schwierigen zeiten wieder liebe grüße wiebke

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